kontakt@lipocura.ch +41 44 442 03 10
Ein Lipödem entsteht nicht durch Bewegungsmangel, falsche Ernährung oder fehlende Disziplin. Die chronische Fettverteilungsstörung ist eine komplexe Erkrankung, deren Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. Nach aktuellem Forschungsstand wirken wahrscheinlich mehrere innere Faktoren zusammen, die Betroffene nicht aktiv beeinflussen können. Viele Patientinnen erleben eine jahrelange Odyssee, bevor ihre Beschwerden richtig eingeordnet werden. Wiederholte Empfehlungen, weniger zu essen oder mehr Sport zu treiben, können Schuldgefühle auslösen und den Eindruck vermitteln, selbst für die Erkrankung verantwortlich zu sein.
Die wichtigste Erkenntnis lautet aber: Ein Lipödem ist kein Eigenverschulden. Die Frage, wie ein Lipödem entsteht, lässt sich derzeit zwar noch nicht abschliessend beantworten, vieles spricht jedoch dafür, dass eine erbliche Veranlagung das Fundament bildet und hormonelle Veränderungen den Ausbruch oder eine Verschlechterung der Erkrankung begünstigen können.
Beratung vereinbaren
Geprüft durch den Autor
Dr. Katrin Lossagk ist hochspezialisierte Lipödem-Expertin sowie Gründungsmitglied und ärztliche Leitung von LIPOCURA®. Die Erforschung des Krankheitsbildes sowie der ganzheitliche Behandlungsansatz liegen ihr besonders am Herzen.
Dr. med. Katrin Lossagk
Leitende Ärztin Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie Beratende Ärztin Lipödem
Inhaltsverzeichnis
Die Suche nach der einen Lipödem-Ursache führt nach heutigem Wissensstand einfach nicht zum Ziel. Das Lipödem entsteht wahrscheinlich nicht aufgrund der Störung eines einzelnen Organs. Vielmehr handelt es sich um ein Zusammenspiel verschiedener Prozesse, die sich gegenseitig beeinflussen können.
Zu den diskutierten Faktoren gehören vor allem:
Hinzu kommen Veränderungen der kleinen Blutgefässe, des Bindegewebes und des Lymphsystems sowie chronische Entzündungsprozesse im betroffenen Gewebe.
Dabei ist zwischen Veranlagung und Manifestation zu unterscheiden. Eine Veranlagung bedeutet, dass im Erbgut eine erhöhte Anfälligkeit für die Erkrankung vorhanden sein kann. Manifestation bezeichnet den tatsächlichen Ausbruch: Erst durch weitere Einflüsse, beispielsweise eine ausgeprägte hormonelle Umstellung, können sich typische Gewebeveränderungen und Beschwerden entwickeln.
Das erklärt auch, weshalb nicht jede Frau mit Lipödem-Fällen in der Familie selbst erkrankt. Die genetische Anlage kann vorhanden sein, ohne dass Beschwerden auftreten. Umgekehrt können sich erste Symptome erst nach vielen Jahren oder während einer hormonellen Schwellenphase zeigen. Welche Faktoren letztlich darüber entscheiden, ob und wann ein Lipödem ausbricht, wird weiterhin erforscht.
Obwohl einzelne verantwortliche Gene und das genaue Vererbungsmuster noch nicht abschliessend bestimmt sind, spricht die familiäre Häufung für eine genetische Beteiligung. Ob eine erbliche Veranlagung im Einzelfall tatsächlich mit den Beschwerden zusammenhängt, lässt sich jedoch nur ärztlich einordnen. Bei typischen Beschwerden sollte daher eine fachärztliche Abklärung erfolgen. Mehr zur Einordnung finden Sie auf unserer Seite zur Lipödem Diagnose.
Die Beobachtung mehrerer Erkrankungsfälle innerhalb einer Familie wird als familiäre Disposition bezeichnet. Diese kann sich über verschiedene Generationen hinweg zeigen. Bei vielen unserer Patientinnen zeigen auch Mutter, Grossmutter, Schwester oder andere weibliche Familienmitglieder ähnliche Veränderungen und Beschwerden. Die Veranlagung kann dabei nicht nur von der Mutter, sondern ebenfalls über den Vater oder Grossvater weitergegeben werden, ohne dass die Erkrankung bei diesen selbst ausbricht. Für das ärztliche Diagnosegespräch ist die Familiengeschichte daher von Bedeutung. Bekannte Lipödem-Fälle in der Verwandtschaft können die diagnostische Einordnung unterstützen.
Die genetische Veranlagung bildet möglicherweise die Grundlage, bestimmt den Ausbruch der Erkrankung aber nicht allein. Die Epigenetik untersucht Mechanismen, die beeinflussen, welche Gene aktiv oder inaktiv sind, ohne die eigentliche DNA-Sequenz zu verändern. Vereinfacht gesprochen können bestimmte biologische und äussere Einflüsse (hormonelle Umbruchphasen, Umwelteinflüsse) wie Schalter auf die Genaktivität wirken. Auch der Einfluss von langanhaltendem körperlichem oder psychischem Stress wird diskutiert. Stress kann den Cortisolspiegel erhöhen und Beschwerden wie Schwellungen oder Schmerzen verstärken.
Da das Lipödem fast ausschliesslich Frauen betrifft und häufig in Phasen hormoneller Veränderungen sichtbar wird oder sich verändert, gelten hormonelle Einflüsse als ein wichtiger Forschungsansatz bei den Lipödem-Ursachen. Nennenswert sind insbesondere Östrogene und ihre Wirkung auf das Fettgewebe. Die genaue Bedeutung einzelner Hormone und Rezeptoren ist jedoch weiterhin Gegenstand der Forschung.
Hormone können die Vermehrung, Vergrösserung und Speicherung von Fettzellen beeinflussen. Gleichzeitig wirken sie auf den Stoffwechsel, die Gefässe und entzündliche Prozesse. Wissenschaftlich diskutiert wird eine veränderte Östrogen-Signalübertragung, die bei entsprechend veranlagten Frauen die übermässige Ausdehnung des Unterhautfettgewebes begünstigen könnte.
Das würde erklären, weshalb das Lipödem häufig erstmals während der Pubertät sichtbar wird oder sich während einer Schwangerschaft beziehungsweise in den Wechseljahren verändert. Hormonelle Umstellungen können zudem die Einlagerung von Flüssigkeit sowie Schwellungen und Spannungsgefühle beeinflussen. Sie sind allerdings nicht bei jeder Patientin gleich ausgeprägt.
Die Antibabypille wird immer wieder als mögliche Lipödem-Ursache genannt. Eine direkte und allgemeingültige Aussage wie „Die Pille verursacht ein Lipödem“ lässt sich jedoch nicht belegen. Ein Lipödem entsteht sehr wahrscheinlich nicht allein durch ein hormonelles Verhütungsmittel.
Bei einer bereits vorhandenen genetischen Veranlagung könnten die enthaltenen synthetischen Hormone jedoch als zusätzlicher Einflussfaktor wirken. Manche Patientinnen bemerken zum Beispiel, dass sich Fettverteilung, Schwellungen oder Schmerzen nach Beginn oder Wechsel einer hormonellen Verhütung verändert haben.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Pille ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden sollte. Bei auffälligen Veränderungen empfiehlt sich ein Gespräch mit der behandelnden Gynäkologin oder dem behandelnden Gynäkologen. Gemeinsam kann geklärt werden, ob eine andere Verhütungsmethode infrage kommt.
Pubertät Deutlicher Anstieg der Produktion der Sexualhormone. Bei vielen Patientinnen erstmals symmetrische Umfangszunahme an Hüften und Beinen, Schweregefühl oder zunehmende Druckempfindlichkeit. Steigender Östrogenspiegel kann Vermehrung und Einlagerung von Fettzellen beeinflussen.
Schwangerschaft Starke Veränderung des Hormonspiegels, ggf. auch Körpergewicht, Flüssigkeitshaushalt und mechanische Belastung des Gewebes. Bereits vorhandenes Lipödem kann sich verstärken; bei entsprechend veranlagten Frauen können Beschwerden erstmals deutlich werden.
Wechseljahre Östrogenspiegel sinkt insgesamt, Zusammensetzung und Verteilung des Fettgewebes kann sich verändern. Begleitende Beschwerden wie Schlafstörungen und Stress können das allgemeine Wohlbefinden zusätzlich beeinträchtigen und Lipödem-Symptome verstärken.
Der Darm gilt derzeit nicht als nachgewiesene Ursache eines Lipödems. Dennoch beschäftigt sich die Forschung zunehmend mit der Frage, ob das Darmmikrobiom – also die Gesamtheit der im Darm lebenden Mikroorganismen – mit entzündlichen und hormonellen Prozessen bei einem Lipödem zusammenhängen könnte.
Eine Pilotstudie aus dem Jahr 2025 verglich das Darmmikrobiom von 35 Frauen mit Lipödem mit dem von 20 gesunden Kontrollpersonen. Die Forschenden fanden Unterschiede bei der Häufigkeit bestimmter Bakteriengruppen. Die allgemeine Vielfalt des Mikrobioms unterschied sich zwischen den Gruppen allerdings nicht signifikant. Diese Ergebnisse liefern erste Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen Darmflora, Körperzusammensetzung und Lipödem.
Denkbar ist eine wechselseitige Beziehung: Das Mikrobiom kann Immunreaktionen, Stoffwechsel und Entzündungsprozesse beeinflussen. Umgekehrt können Ernährung, Medikamente, Hormone, körperliche Aktivität und bestehende Erkrankungen die Darmflora verändern. Ob eine gezielte Veränderung des Mikrobioms künftig einen therapeutischen Nutzen bei Lipödem haben könnte, ist derzeit noch offen.
Beim Lipödem verändert sich vor allem das Unterhautfettgewebe an den betroffenen Extremitäten. Hier können mehrere lokale Prozesse zusammenspielen – von vergrösserten Fettzellen über Veränderungen der kleinen Blutgefässe bis hin zu Entzündungsreaktionen und einem Umbau des Gewebes.
Leiden Sie unter einer Lipödem-Erkrankung? Finden Sie es heraus!
Mythos 1: „Die falsche Ernährung als Lipödem-Ursache“
„Falsche“ Ernährung verursacht kein Lipödem. Auch eine besonders kalorienreiche oder unausgewogene Ernährung erklärt nicht die typische symmetrische und schmerzhafte Fettverteilung an Armen und Beinen. Eine ausgewogene Ernährung bleibt dennoch sinnvoll. Sie kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern, eine zusätzliche Gewichtszunahme begrenzen und Begleiterkrankungen wie Adipositas oder Diabetes positiv beeinflussen.
Mythos 2: „Zu wenig Bewegung verursacht ein Lipödem“
Auch Bewegungsmangel ist keine Lipödem-Ursache. Sport kann die Muskulatur stärken, die Beweglichkeit fördern, den Kreislauf aktivieren und den Lymphfluss unterstützen. Das krankhaft veränderte Fettgewebe verschwindet dadurch jedoch nicht. Bleiben typische Fettansammlungen trotz Sport bestehen, ist das daher kein Zeichen mangelnder Anstrengung. Beschwerden sollten nicht mit Schuldzuweisungen beantwortet, sondern fachärztlich abgeklärt werden.
Mythos 3: „Ein Lipödem ist nur Übergewicht“
Übergewicht als Lipödem-Ursache zu bezeichnen ist grundsätzlich falsch. Adipositas und Lipödem sind unterschiedliche Krankheitsbilder, auch wenn beide gleichzeitig auftreten können. Bei Adipositas verteilt sich das zusätzliche Fett meist über den gesamten Körper. Ein Lipödem betrifft dagegen typischerweise symmetrisch bestimmte Bereiche, vor allem Beine und teilweise Arme, und geht häufig mit Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Schweregefühl und blauen Flecken einher. Zusätzliches Übergewicht kann zwar die mechanische Belastung und Beschwerden verstärken, ist aber nicht die Ursache der charakteristischen krankhaften Fettverteilung.
Da die eigentliche genetische und hormonelle Veranlagung derzeit nicht beseitigt werden kann, richtet sich die Behandlung nach den Beschwerden, dem Befund und der individuellen Lebenssituation.
Konservative Massnahmen wie:
können Schmerzen, Schwellungen und Schweregefühl lindern. Sie unterstützen den Umgang mit der Erkrankung, entfernen aber nicht das bereits vermehrte Fettgewebe. Bei entsprechender medizinischer Indikation kann daher eine Liposuktion bei Lipödem infrage kommen. Laut der aktuellen Einordnung ist die Liposuktion derzeit die einzige Behandlung des Lipödems mit Heilungspotenzial. Dabei werden das krankhaft veränderte Fettgewebe operativ entfernt und begleitende Beschwerden nachhaltig reduziert. Die Behandlung setzt damit am erkrankten Gewebe und nicht an der noch ungeklärten genetischen oder hormonellen Grundveranlagung an.
Ein Lipödem kann nach aktuellem Wissensstand durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren entstehen. Die familiäre Häufung spricht für eine genetische Veranlagung, während hormonelle Veränderungen den Ausbruch oder eine Verschlechterung begünstigen können. Hinzu kommen lokale Veränderungen im Fett-, Binde- und Gefässgewebe sowie entzündliche Prozesse. Der mögliche Einfluss der Darmflora wird erforscht, ist aber bislang nicht als eigenständige Lipödem-Ursache belegt.
Patientinnen sollten sich allerdings bewusst sein: Sie tragen keine Schuld an der Erkrankung. Ein Lipödem ist weder die Folge falscher Ernährung noch ein Zeichen mangelnder Bewegung oder Disziplin.
Gewissheit bringt nur eine fachärztliche Untersuchung. In einem persönlichen Beratungsgespräch bei LIPOCURA® werden Beschwerden, Krankengeschichte und familiäre Vorbelastungen ausführlich besprochen. Anschliessend kann geklärt werden, ob ein Lipödem vorliegt und welche Behandlungsmöglichkeiten zur individuellen Situation passen.
Jetzt Termin vereinbaren
HINWEIS: Ein Lipödem ist eine ernstzunehmende Erkrankung, von der neben Frauen natürlich auch trans, nicht-binäre und intergeschlechtliche Menschen betroffen sein können. Wir heissen alle Patient:innen in unseren Fachzentren willkommen.
Eine sichere Vorbeugung ist derzeit nicht möglich, da die genauen Lipödem-Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind und eine mögliche genetische Veranlagung nicht verändert werden kann. Ein gesunder Lebensstil verhindert das Lipödem-Fett nicht, kann jedoch das allgemeine Wohlbefinden verbessern, Begleiterkrankungen reduzieren und den Umgang mit Beschwerden unterstützen.
Nein. Eine familiäre Vorbelastung kann das Risiko erhöhen, bedeutet aber nicht, dass auch das Kind später erkranken wird. Die Veranlagung kann weitergegeben werden, ohne dass das Lipödem ausbricht; ausserdem gibt es derzeit keinen Test, der eine spätere Erkrankung sicher vorhersagen kann.
Eine Schilddrüsenerkrankung gilt nicht als nachgewiesene direkte Ursache des Lipödems. Sie kann jedoch Gewicht, Stoffwechsel, Flüssigkeitshaushalt und Wohlbefinden beeinflussen oder ähnliche Beschwerden verursachen. Bei entsprechenden Hinweisen ist deshalb eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Die Pille ist nicht als alleinige Ursache eines Lipödems belegt. Hormonelle Verhütungsmittel können das Fettgewebe beeinflussen und bei genetisch vorgeprägten Frauen möglicherweise bestehende Beschwerden verstärken oder deren Auftreten begünstigen.
Da innerhalb der direkten Verwandtschaft häufiger Lipödem-Fälle verzeichnet wurden, spricht diese familiäre Häufung für eine erbliche Komponente. Das genaue Vererbungsmuster ist allerdings noch nicht abschliessend geklärt; die mögliche Veranlagung kann sowohl über die mütterliche als auch über die väterliche Linie weitergegeben werden.
Ein Meilenstein für die Lipödem-Therapie: LIPLEG-Studie im „The Lancet“…
Ein Meilenstein für die Lipödem-Therapie: LIPLEG-Studie im „The Lancet“ veröffentlicht
Von Dr. med. Katrin Lossagk
Schlank und Lipödem – Laura
Von Laura – Patientin bei LIPOCURA®
Lipödem und Schwangerschaft
Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.